Stadt neu denken bedeutet auch Gewerbegebiete qualifizieren

Als Citymanager habe ich viele Jahre schwerpunktmäßig die Orts- und Stadtmitten betrachtet und deren Transformation im Blick gehabt. Richtig und konsequent ist es – wenn man schon von Multifunktionalität und Nutzungsmischung spricht – die gesamte Stadt in den Blick zu nehmen, wenn es darum geht die Funktionstrennung aufzuheben, die Wege zu verkürzen und die räumliche Anordnung den Lebensrealitäten anzupassen.

Der Handlungsbedarf zur „Neuerfindung der Stadt“ mit Blick auf die Gewerbegebiete ist sehr hoch. Insbesondere die Region Stuttgart befindet sich durch die Entwicklungen im Bereich der neuen Technologien (Industrie 4.0 und E-Mobilität) im Umbruch. Die Automobilkonzerne benötigen zeitnah Flächen um die Produktion des zweiten Antriebsstranges aufzubauen, die momentan nicht erfüllbar sind. Zudem herrscht eine hohe Nachfrage an weiteren gewerblich nutzbaren Flächen.

Mit der Digitalisierung eröffnet sich die Chance, Gewerbegebiete räumlich neu zu begreifen. Transformationsprozesse in Industrie, Logistik, Mobilität und letztlich der gesamten Arbeitswelt werden neue Anforderungen an Gewerbegebiete stellen, denen sich diese nur in Form von baulichen Maßnahmen anpassen können. Im Gegensatz zur bisherigen monofunktionalen und flächenextensiven Gestalt des Gewerbes ergeben sich im Zuge dieser Entwicklungen neue Handlungsoptionen, um das Gewerbe zumindest in Teilen kleinteiliger zu organisieren. Dabei ist zu konstatieren, dass überdimensionale und mit anderen Nutzungen nicht zu vereinbarende Strukturen auch weiterhin in Gewerbegebieten bestehen dürften, allerdings ist eine stärkere Ausdifferenzierung von Betrieben, deren Funktionsweisen und letztlich deren Flächenbedarfen zu erwarten. Unter ökonomischen, ökologischen und stadtgestalterischen Aspekten besteht jedoch die Chance, die Grenzen zwischen Arbeits- und Lebenswelt, die sich auf Basis des wirtschaftsstrukturellen Wandels bereits verflüssigt haben, nun auch in baulicher Hinsicht aufzubrechen. (siehe dazu BBSR-Publikation "Vom Gewerbegebiet zum produktiven Stadtquartier, 2021)

Die Erkenntnis, dass die Potenziale dieser Transformation sowohl im öffentlichen Raum, in der Ausweisung von Gewerbegebieten, in der Ausgestaltung von Verkehrswegen, dem Angebot des ÖPNV und weiteren gemeinschaftlichen Themen wie auch im Gewerbebetrieb, auf der gesamten betrieblichen Fläche sowie in der Kooperation, im Miteinander von Unternehmen liegen, macht das gleichzeitige Handeln „Außen + Innen“ seitens des Gewerbequartiersmanagement notwendig. Die kommunalen Interessen an einer Qualifizierung des Gewerbegebiets werden insbesondere dann von den Unternehmen unterstützt, wenn sich die Kommune auch um die Zukunftsfähigkeit der dort ansässigen Betriebe sorgt, kümmert und diese in ihrem Wirken dahingehend berät, betreut und begleitet.

Auch im Gewerbequartiersmanagement wird der Kümmerer aktiv, der gut kommuniziert, zur Kooperation anregt und die Vielzahl an Prozessen, Aufgaben und Maßnahmen entsprechend koordiniert.

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